Herrenschuh Typen

Grundtypen der klassischen Herrenschuhe

Der Full - Brogue und Semi - Brogue

Die einfachste Version des Oxford und Derby trug keinerlei Verzierung. Doch schon bald begannen die Schuhmacher, die einfachen klassischen Herrenschuhe mir derartigen Spielereien zu versehen. Der mit Lochmuster verzierte Schuh aber ist die Erfindung irischer Bauern: Um das Innere ihrer auf dem feuchten Sumpfboden aufgeweichte Schuhe leichter trocknen zu können, versahen sie die Vorder- und Seitenteile ihrer starken Lederschuhe mit Löchern.

Dieser Schuhtyp machte sich in England zuerst bei Förstern und Wildhütern und später im Kreis der mit ihnen zur Jagt gehenden Aristokraten beliebt. Nachdem der Schuh in die Garderobe der Hochadeligen aufgestiegen war, traten am Brogue wesentliche Veränderungen auf: Man begann, ihn aus immer weicheren und dünneren Leder anzufertigen, und die Linienführung wurde zusehends eleganter. Die Ursprüngliche Funktion der Löcher (Brogueings) ging verloren, sie diente jetzt als Zierde des Schuhs. Das Lochmuster an der Schuhspitze wurde im höchsten Maße veredelt, die Grenzlinien von Vorderblatt und Seitenteile und des oberen Randes der Seitenteile mit in Steppnähte eingefaßten Lochmusterreihen verziert. So entstanden der Full - Brogue und der Semi - Brogue. Der Unterschied zwischen Full - und Semi - Brogue liegt allein in der form der Vorderkappe: Beim Full - Brogue ist sie geflügelt, beim Semi - Brogue gerade.

Schuhe des Typs Full - Brogue waren bereits um die Jahrhundertwende in England auf den Golfplätzen zusehen - sie galten als einen Art Sportschuh. Zu ihrem eigentlichen Welterfolg kamen sie erst, als in den 30er Jahren der als europaweit elegantester Mann geltende Prinz von Wales die Gesellschaft verblüffte, indem er in Full - Brogue - Schuhen zum Golfspielen erschien. Ihm gefielen diese Schuhe so gut, daß er eine elegantere Variante später auch gerne zu gesellschaftlichen Anlässen trug.

Trotz des Vorbildes des Prinzen von Wales wird der Semi- oder Full - Brogue bis heute nicht nach 18 Uhr getragen.

Die heutigen Brogues sind nicht mehr mit durchgehenden Löchern versehen. Statt dessen sind die zusätzlich aufgesetzten äußeren Schaftteile mit einer Lochverzierung (Broguing) versehen. Man unterscheidet die Gruppe der Brogues in

Half- oder Semibrogue



Bild: Semibrogue (Grenson)

Bei diesen Schuhmodellen ist nur die von außen zusätzlich auf den Schaft aufgesetzte Vorderkappe (so genannte Querkappe) mit einer orgnamentalen Lochlinienverzierung, die so genannte Rosette und der Rand der Vorderkappe häufig mit einer Lyralochung versehen. Sonst ist dieses Modell mit Verzierungen sehr zurückhaltend; selten sind andere Schaftteilkanten verziert (Lochung oder Auszackung). Halfbrogues werden zumeist aus glattem Kalbleder gefertigt.

Fullbrogue

Bild: Fullbrogue (Grenson)

Dieses Schuhmodell hat statt einer geraden Vorderkappe (Querkappe) eine so genannte Flügelkappe (siehe Abbildung), die bis auf die Seite des Schafts reicht. Sowohl die Kanten Flügelkappe als auch die sonstigen Schaftteilkanten sind mit einer Lyralochung versehen oder/und ausgezackt. Zentral auf der Oberseite der Flügelkappe, oberhalb der Schuhspitze ist eine Rosette als Lochverzierung angebracht. Typisch für Fullbrogues ist auch eine aufgesetzte Fersenkappe. Fullbrogues werden zumeist mit geprägtem Scotchgrain Oberleder gefertigt.

Longwing

Der Longwing hat eine Flügelkappe, deren seitliche Ausläufer (die Flügel) bis nach hinten an die Fersennaht reichen. Deshalb hat er auch keine zusätzlich aufgesetzte Fersenkappe. Ansonsten gelten die Merkmale des Fullbrogues, dessen nordamerikanische Variante er darstellt.

Half- und Fullbrogues gibt es sowohl mit offener Schnürung (Derbytyp) oder geschlossener Schnürung (Oxfordtyp); der Longwing wird immer mit offener Schnürung (Blüchertyp) gebaut.